SET MATERIAL PRACTICE – Workshop mit Renate Graziadei & Abraham Iglesias Rodriguez

SET MATERIAL PRACTICE – Eintägiger Workshop mit Renate Graziadei & Abraham Iglesias Rodriguez

Der Workshop beginnt mit einem Warm-up, in dem wir Konzepte und Aspekte verschiedener anatomisch ausgerichteter Bewegungssysteme kennenlernen. Es bereitet Körper und Geist darauf vor, sich auf eine logische, detaillierte und präzise Art zu bewegen, ohne dabei den eigenen individuellen Ausdruck zu verlieren.

Wir arbeiten an einer effizienten Ausrichtung des Körpers als Grundlage für die Bewegung. Mit zunehmender körperlicher Intensität des Warm-ups trainieren wir verschiedene Muskelgruppen, Verbindungen und Bewegungsaktionen und arbeiten dabei mit der Schwerkraft als Partner.

Anschließend nähern wir uns ausgewähltem Bewegungsmaterial aus der Produktion A Masque for the Multiverse. Dabei geht es nicht darum, das Material möglichst exakt zu reproduzieren, sondern darum, einen persönlichen Zugang dazu zu entwickeln und die eigenen tänzerischen Möglichkeiten darin zu erforschen.

Vorgegebenes Bewegungsmaterial bietet dabei einen Rahmen, innerhalb dessen wir die eigene Individualität und den persönlichen Ausdruck erkunden können. Wir untersuchen, wie sich das Material durch den eigenen Körper verändert, interpretiert und zu etwas Eigenem werden kann.

Ausgehend von den individuellen Qualitäten und Besonderheiten jedes Körpers beschäftigen wir uns mit der Logik und Struktur des Materials. Durch Wiederholung, Integration und unterschiedliche Formen der Interpretation entwickeln wir einen persönlichen Umgang damit.

Wir tanzen das Material in verschiedenen Konstellationen und setzen es immer wieder in Beziehung zu uns selbst und zu den anderen. So entsteht ein gemeinsamer Lernprozess, in dem wir das Material nicht nur erlernen, sondern es immer wieder neu erfahren, hinterfragen und aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten.

Renate Graziadei, künstlerische Leiterin von laborgras, Choreografin und Tänzerin, lebt und arbeitet seit 2000 in Berlin. Geboren in Vorarlberg, Österreich, begann sie ihre Tanzausbildung in der Schweiz. Bald zog es sie nach New York, wo sie drei Jahre lebte, arbeitete und tanzte – unter anderem mit der Nina Wiener Dance Company. Nach ihrer Rückkehr nach Europa setzte sie ihre künstlerische Arbeit fort und arbeitete mit Rui Horta am S.O.A.P. Dance Theatre Frankfurt, bevor sie Mitglied der Hamburger Tanzgruppe COAX wurde. 1994 gründete sie gemeinsam mit Arthur Stäldi das Künstlerkollektiv laborgras, das seither zahlreiche Produktionen und Arbeitsreihen im Bereich künstlerischer Forschung, des Austauschs und der unabhängigen Produktion realisiert hat – häufig in enger Zusammenarbeit mit anderen Künstler:innen.

Die Vermittlung von Bewegung, Körperwissen und choreografischem Denken ist ein zentraler Bestandteil von Renate Graziadeis Arbeit. Seit 1996 unterrichtet sie regelmäßig zeitgenössische Tanztechnik, Improvisation und Komposition. Ihre Lehrtätigkeit führte sie an renommierte Institutionen wie P.A.R.T.S. in Brüssel, die Folkwang Universität der Künste in Essen und die Opéra de Paris. Darüber hinaus war sie im Rahmen internationaler Programme und Festivals in Ländern wie der Schweiz, Österreich, Belgien, Kroatien, Dänemark, Italien, Australien, Frankreich, Spanien, Kolumbien und Südkorea tätig.

Für ihre künstlerische Arbeit wurde Renate Graziadei mehrfach ausgezeichnet. In der jährlichen Kritikerumfrage der Zeitschrift ballett international/tanz aktuell wurde sie 1997 als „Promising Young Dancer“ und 2010 als „Best Dancer“ gewürdigt. Mit laborgras erhielt sie unter anderem den Kurt-Jooss-Preis in Essen (2004), den Kunstpreis Berlin (2015) sowie eine Nominierung für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST (2015).

laborgras

Von den Tänzern und Choreografen Renate Graziadei und Arthur Stäldi 1994 in Hamburg gegründet, ist laborgras seit 2000 in Berlin ansässig und hat sich als international anerkanntes Künstlerkollektiv etabliert. Seit der Gründung experimentieren wir mit der Ausdrucksform Tanz, erforschen ihre Grundlagen und Möglichkeiten und entwickeln sie kontinuierlich weiter.

Tanzen ist Haltung und Experiment, ist Probe, Tat und Versuch zu gleichen Teilen. Das Theater ist ein Ort der Teilhabe. Tanzen ist Lebenseinstellung, Theater ist Teilen.

Bereits seit 1994 experimentiert laborgras mit der Ausdrucksform Tanz, erforscht deren Bedingungen und denkt sie weiter. laborgras arbeitet als Kollektiv, gemeinsam mit verschiedensten Künstlern und im Verbund der unterschiedlichen Kunstsparten. Dadurch entstehen neue Räume und Möglichkeiten, dadurch verschieben sich die Horizonte, die eigenen und die anderen.

Kontinuierlicher Austausch und ständige Begegnung sind Teil des Konzeptes laborgras, Grenzen gibt es dabei nur die des jeweils Machbaren und Erwünschten. Diese Arbeitsweise ist organisch, Stücke und Choreographien entstehen, indem sie werden bis sie sind. Abgeschlossen sind diese Prozesse insofern nie, als dass jede Entdeckung neue Möglichkeiten eröffnet und jede Möglichkeit zu neuen Entdeckungen führt.

Für Renate Graziadei und Arthur Stäldi, bedeutet Tanzen eine Lebensanschauung, denn im Tanz lässt sich das Leben beobachten – als Zuschauer ebenso wie als Tänzer. Tanz geht einher mit Loslassen, mit Fallenlassen im Sinne von Hingabe, mit Probieren im Sinne von Forschen. Tanz ist Bewegung, Bewegung ist Leben und Tanz wiederum dessen physische Ausdrucksform.

Das Theater ist für laborgras ein Ort des Experiments, der Forschung und der Entdeckung. Es geht im Tanz immer um Haltung, auch in politischer Hinsicht, und es geht um das konkrete Leben, um konkrete Alltagsfragen. Tanz darf nicht zum Kommentar zu einem vorgegebenen Thema verkommen, darf nicht in schöner Bewegung erstarren, sondern muss eine Ausdrucksform bleiben, die neue Wahrnehmungen ermöglicht und befördert.

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SET MATERIAL PRACTICE – One-Day Workshop with Renate Graziadei & Abraham Iglesias Rodriguez

The workshop begins with a warm-up in which we explore concepts and aspects of various anatomically based movement systems. It prepares the body and mind to move in a logical, detailed and precise way, while maintaining and developing each individual’s own expression. We work on efficient body alignment as a foundation for movement. As the warm-up becomes more physically demanding, we train different muscle groups, connections and actions, working with gravity as our partner.

We then approach a set movement material from our production A Masque for the Multiverse as an opportunity to explore a personal perspective and interpretation within the framework of the material provided. The aim is not to reproduce the material as accurately as possible, but to develop a personal approach to it and explore our own possibilities as dancers within the material.

The given movement material provides a framework within which we can explore individuality and personal expression. We investigate how the material can be transformed, interpreted and made our own through the individual body. Starting from the unique qualities and characteristics of each body, we explore the logic and structure of the material. Through repetition, integration and different forms of interpretation, we develop a personal relationship to it.

We dance the material in different constellations and repeatedly bring it into dialogue with ourselves and with others. In this way, a shared learning process emerges in which we not only learn the material, but continually experience it anew, question it and explore it from different perspectives.

Renate Graziadei, Artistic Director of laborgras, choreographer and dancer, has been based and working in Berlin since 2000. Born in Vorarlberg, Austria, she began her dance training in Switzerland. She soon moved to New York, where she lived, worked, and danced for three years, including with the Nina Wiener Dance Company. After returning to Europe, she continued her artistic work, collaborating with Rui Horta at S.O.A.P. Dance Theatre in Frankfurt before joining the Hamburg-based dance group COAX. In 1994, she co-founded the artist collective laborgras with Arthur Stäldi. Since then, the collective has created numerous works and ongoing series centered on artistic research, exchange, and independent production, often in close collaboration with other artists.

Sharing movement, embodied knowledge, and choreographic thinking has always been a central part of Renate Graziadei’s practice. Since 1996, she has regularly taught contemporary dance technique, improvisation, and composition. She has taught at renowned institutions including P.A.R.T.S. in Brussels, the Folkwang University of the Arts in Essen, and the Opéra de Paris. She has also worked with international festivals and programs in countries including Switzerland, Austria, Belgium, Croatia, Denmark, Italy, Australia, France, Spain, Colombia, and South Korea.

Her artistic work has received numerous awards and distinctions. In the annual critics’ survey of ballett international/tanz aktuell, she was named “Promising Young Dancer” in 1997 and “Best Dancer” in 2010. With laborgras, she has received, among other honors, the Kurt-Jooss Prize in Essen (2004) and the Kunstpreis Berlin (2015), and was nominated for the German Theatre Prize DER FAUST in 2015.

laborgras

Founded in 1994 by dancers and choreographers Renate Graziadei and Arthur Stäldi in Hamburg, laborgras has been based in Berlin since 2000 and has established itself as an internationally recognized artist collective. Since its inception, we have been experimenting with the art form of dance, exploring its foundations and possibilities, and continuously developing it.

Dance is an approach and an experiment, it is research, action and testing in equal mesure, and theater is a place for participation. Dance is a way of life, theater a way of sharing.

Since 1994, laborgras has continually pushed the edges of dance expression, researching the conditions for dancing and taking them further. laborgras is a collective that works with a wide range of artists and artistic disciplines. By transcending categories, they can experiment with new spaces and possibilities, broadening horizons for themselves and others.

The laborgras concept values continuous exchange and supporting every opportunity for an encounter. The only limits are on what is feasible and what is desired. The workflow is organic, with pieces and choreographies developing naturally into what they need to become. This approach means that a process is never entirely complete: each new discovery opens new possibilities, every possibility leads to new discoveries.

For Renate Graziadei and Arthur Stäldi, dance is a way of living, and through dance life can be observed, whether by spectators or dancers. Dance involves letting go, abandoning in the sense of surrendering, experimenting in the sense of researching. Dance is movement, move¬ment is life and dance is that life’s physical form of expression.

laborgras aims for the theater as a place of experimentation, research and discovery. Here, dancing means taking a stance, even a political one, where theater is concerned with real life and the concrete issues of day-to-day living. Dance must not degenerate into pure commentary on a given topic, nor remain fixed in the aesthetics of sublime movement, rather it must remain a form of expression that enables and encourages new ways of perceiving.

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